Emotionen und Motivation
Juli 15, 2025
Lernen ist mehr als reines Verarbeiten von Informationen – es ist ein zutiefst emotionaler Prozess. Freude, Neugier, Stolz oder Frust beeinflussen, wie wir lernen, wie lange wir dranbleiben und wie gut wir uns erinnern. Studien zeigen: Wer emotional involviert ist, lernt nachhaltiger und bleibt motivierter.
Doch wie hängen Emotionen und Motivation genau zusammen? Und wie können Lehrende und Studierende dieses Wissen im Hochschulalltag nutzen?
Emotionen im Lernkontext – mehr als nur „Gefühl“
Emotionen gelten oft als subjektiv oder irrational – doch in der Lernforschung sind sie zentrale Wirkfaktoren.
Positive Emotionen wie Interesse, Freude oder Begeisterung:
- fördern Aufmerksamkeit und kognitive Verarbeitung,
- stärken die Bindung zum Lernstoff,
- wirken motivationssteigernd und handlungsfördernd.
Negative Emotionen wie Angst, Überforderung oder Langeweile:
- blockieren Denkprozesse,
- senken die Motivation,
- können zum Lernabbruch führen.
Kurz gesagt: Emotionen sind Katalysatoren oder Barrieren im Lernprozess.
Motivation entsteht nicht nur im Kopf
Motivation ist nicht nur eine Frage von Zielen und Willenskraft – sie ist eng mit emotionalen Erfahrungen verbunden.
Drei zentrale Motivationsfaktoren im Lernkontext:
Selbstwirksamkeit: Das Gefühl, etwas schaffen zu können
→ „Ich traue mir zu, das Thema zu verstehen.“
Bedeutsamkeit: Der Lernstoff hat persönlichen oder gesellschaftlichen Wert
→ „Das betrifft mich – das will ich verstehen.“
Zugehörigkeit: Ich fühle mich als Teil einer unterstützenden Lernumgebung
→ „Ich bin nicht allein, wir lernen gemeinsam.“
Diese Faktoren sind emotional aufgeladen – und können durch bewusste Gestaltung verstärkt werden.
Was Lehrende tun können
Lehrende haben viele Möglichkeiten, emotionale Lernprozesse positiv zu beeinflussen:
Beziehung aufbauen: Interesse an Studierenden zeigen, Rückmeldungen geben, Präsenz zeigen
Sinn stiften: Warum ist das Thema relevant? Welchen Bezug gibt es zur Lebenswelt?
Neugier wecken: Mit Fragen, Widersprüchen oder Alltagsbeispielen motivieren
Emotionale Sicherheit schaffen: Fehler zulassen, Leistungsdruck reduzieren, faire Bewertung kommunizieren
Aktives Lernen ermöglichen: Diskussionen, eigene Beispiele, kreative Aufgaben fördern Beteiligung
🎯 Tipp: Starten Sie eine Sitzung mit einer emotionalen Einstiegsfrage wie: „Was hat Sie zuletzt wirklich überrascht im Studium?“ oder „Was fordert Sie aktuell heraus?“
Was Studierende tun können
Auch Studierende können bewusst mit Emotionen umgehen und ihre Motivation stärken:
Emotionen wahrnehmen: Was macht mir Spaß? Was frustriert mich – und warum?
Erfolge feiern: Kleine Fortschritte bewusst anerkennen
Eigene Ziele klären: Warum lerne ich das? Wofür ist es mir wichtig?
Lernumgebung gestalten: Räume schaffen, die Konzentration und Wohlbefinden fördern
Emotionale Pausen einbauen: Zeit für Reflexion, Austausch, Bewegung oder Perspektivwechsel
📌 Tipp: Führen Sie ein „Lerntagebuch der Gefühle“, in dem Sie nach jeder Lerneinheit notieren: Was hat mich bewegt? Was hat mir Energie gegeben – oder genommen?
Emotionen in der digitalen Lehre berücksichtigen
Gerade in digitalen oder hybriden Formaten besteht die Gefahr, dass emotionale Aspekte verloren gehen. Deshalb ist es wichtig, sie gezielt einzubeziehen:
Soziale Interaktion ermöglichen: Breakout-Räume, Peer-Feedback, Diskussionen
Kameras optional – Emotionen sichtbar machen: Emojis, Wortwolken, Stimmungsabfragen
Rituale einführen: Gemeinsamer Check-in, kurzes „Wie geht’s euch?“, Abschlussrunden
Visuelle und auditive Gestaltung nutzen: Musik, Bilder, Storytelling zur Aktivierung
Online-Lehre braucht nicht nur Technik – sondern auch Empathie und emotionale Nähe.
Fazit
Emotionen sind keine Nebensache – sie sind der Motor für Motivation, Konzentration und nachhaltiges Lernen. Wer mit Freude, Interesse und Zugehörigkeit lernt, bleibt länger dran und versteht tiefer.
Für Lehrende heißt das: emotionale Zugänge schaffen, Vertrauen stärken, Sinn vermitteln. Für Studierende bedeutet es: Emotionen bewusst wahrnehmen und als Ressource nutzen.
Lernen mit Herz und Verstand ist kein Luxus – sondern eine Grundlage für echte Bildung.